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2001-04-28
Die SPIEGEL-Alltagsdigitalen schreiben mitunter so krudes Zeug, da weiß man gar nicht mehr wohin mit sich vor lauter Verlegenheit. Ich winde mich hier auf meinem Küchenstuhl, möchte denen sagen, wie unangenehm mir das ist, wenn ich lesen muß, wie da den desperat Verliebten am Strand die aufgewühlte See in's tränenüberströmte Gesicht peitscht und der Wind sich so metaphernhaft gebärdet als irgend möglich. Dann schäm ich mich, weil ich anderer Leute Wirklichkeit rezensiere wie schlechte Fiktion, aber was soll ich denn bloß sonst damit anfangen? Darf man ja nicht fragen, was einem der Autor damit sagen will, da outet man sich gleich als komplett blöd, aber ich täts so gern. Fragen, was man mir damit sagen will, daß Katrin eine sehr sensible Frau ist und Wolfgang das Motto "don't worry be crazy" verfolgt, also ein wahnsinnig origineller Kerl sein muß. Und was das mit der Brandung und den Wolken und dem Horizont soll, die die Hälfte des Texts einnehmen. Aber ich frag nicht, darf man ja nicht, ist ja jemandes Herzblut drin, da halt ich meinen Rotstift raus. Wo's doch so wahr ist alles. So authentisch. So unangreifbar. |